Lebenslauf Josef Ospelt
«Kurzer Lebenslauf», aus: «Zum Gedenken an die verstorbenen Vorsitzenden des Historischen Vereins» von Alois Ospelt, in Jahrbuch des Historischen Vereins, Band 100, S. 177.

Josef Ospelt wurde am 9. Januar 1881 in Vaduz als Sohn des Julius und der Maria geb. Seger geboren. Nach dem Besuch der Volks- und Landesschule trat er in den Staatsdienst ein und arbeitete unter Landesverweser Karl von In der Maur als Regierungskanzlist. Im Jahre 1911 wurde er zum Regierungssekretär bestellt. Fünf Jahre später, 1916, heiratete er Mathilde Ospelt aus Vaduz. Josef Ospelt gehörte 1918 zu den Gründern der Fortschrittlichen Bürgerpartei und war später langjähriger Verwalter und Vorsitzender des Pressevereins «Liechtensteiner Volksblatt». Am 23. März 1921 wurde er vom Fürsten zum Nachfolger von Landesverweser Dr. Josef Peer und gleichzeitig zum fürstlichen Rat ernannt. Nach Inkrafttreten der neuen Verfassung vom 5. Oktober 1921, an deren Ausarbeitung er beteiligt war, wurde er auf Vorschlag des Landtags zum Regierungschef ernannt. Er war also in dieser Übergangszeit der letzte Landesverweser und der erste liechtensteinische Regierungschef. Nach seinem Rücktritt am 27. April 1922 aufgrund der veränderten politischen Mehrheitsverhältnisse zog er mit seiner Familie für kurze Zeit nach Wien. 1918 bis 1922 besorgte er als Rentmeister auch die fürstliche Domänenverwaltung. Dann gründete er eine Rechts- und Versicherungsagentur in Vaduz. Ab 1925 hatte er die Repräsentanz der «Zürich-Versicherungen» inne. Nach dem erneuten politischen Umschwung 1928 bekleidete Josef Ospelt zumeist über mehrere Mandatsperioden verschiedene bedeutende öffentliche Ämter und engagierte sich stark in sozialen und kulturellen Belangen. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Historischen Vereins, den er 1928 bis 1955 als Vorsitzender leitete. Viele Jahre wirkte er auch im Vorstand der Vaduzer Winzergenossenschaft. Josef Ospelt starb am 1. Juni 1962 im 82. Lebensjahr.


